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Der Tod ist die größte Bedrohung für den vitalen Menschen, in dessen Angesicht er sich auf seine wichtigsten Werte besinnt. Im Zeitalter des Überangebots an Lebensmöglichkeiten tut es manchmal Not, sich mit dem Tod zu beschäftigen, um nicht von der Spur zu kommen. Es dient zwar nicht der Beliebtheit, Freunde hin und wieder auf dieses Thema zu lenken, aber es steht im Dienste an der Freundschaft. (Norbert Schultheis)



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Narben

(Frank Ohmann)

Rubrik: Von Freunden

Ich streichle zärtlich meine Narben,
Sind für meine Räder Naben,
Fahr auf ihnen in die Welt.

Erzählen vergangene Geschichten,
Von Schmerz mit viel Gesichtern,
Durchgestanden, durchgequält.

Von enttäuschter Liebe,
Lebens ausgeteilte Hiebe,
Verzweiflung auch und Bitterkeit.

Wut und Trauer tief verborgen,
Gab es gestern für mich kein morgen,
Keine Richtung, keine Hoffnung.

Gestorben bin ich aber doch nicht,
Geholfen hat das kleine Licht,
Dessen Funke damals gezündet.

Ging viel herauf und auch herunter
Licht scheint immer bunter,
Kräftiger und nährender.

Heute kann ich gar nicht fassen,
Was mich so hat wachsen lassen,
War sicher nicht mein Wille.

Auch starke Bäume zeigen Narben,
Mussten in ihrer Jugend darben,
Zeigen sie mit Stolz.


In Erinnerung an Frank Ohmann (1966-2004), lieber Kollege und Freund