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Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiß, der legt wenigstens einen Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt, dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip des »Glaubens«). (Friedrich Nietzsche)



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Selene

(Josef Golderer)

Rubrik: Von Freunden

Für alle Mondsüchtigen und solche, die es werden wollen.
Und auch für diejenigen, die des Nachts nicht mehr aufschauen.
Selene
wie lässt es sich schreiben
über den Mond
in der gegenwart
des hellen lichts der vernunft
der silberne diamant und
die wunde der nacht
nicht mehr überselig
über busch und tal schimmernd

über ein trümmerstück
entstanden aus einer katastrophe
Theia die weithin leuchtende
kleine schwester
geschaffen in der sonnenzeit
begann sie zu spielen
verließ ihre schmiede
im librationspunkt 4

erwachend zur reife
kam sie näher
in leichtem tanz
die sturmhochzeit
mit Gaia
schuf die tochter
wie jede geburt ist auch diese
ein primordialer abschied auf immer

Mond siehe du bist
die melancholische schwester
und tochter zugleich der sonne
geborgt ist das licht nur von ihr
Helios
so scheinst du in das dunkle herz  
von jedem dasein hinein
das dein aufbruch schuf
in der zerstörung der
samen gelegt
wir bergen uns noch immer in verwehten ahnungen
im stillen glanz deines versprechens

nun sind die städte des nachts schon
mit lichtern gefüllt
sie schlafen nie
jedenfalls nicht im traumlosen schoß der natur
während wir noch das nie erlöschende zeichen
der trennung schauen
wie es kreist in gebundener rotation
um ihre mutter ihre tochter
ihren verlorenen geliebten

dagegen protestierend
können wir wohl
nachspürend
eine sammlung von versen
in ungebundener sprache schreiben
wie worte die ihre milch über den
himmel verspritzen
von der brust der göttin
eine gewaltige sammlung von flecken
die eine straße bauen wollen
über den himmel den Mond zur erde

wer von uns schläft nicht und
schreit des nachts zu dir
das geheule ist das ewige gebet
ohne das nichts zu denken ist
wer übersteht die nacht ohne kokain

stark drückt uns die erde
und der Mond wirft uns herum
in die tiefe und höhe
wie ebbe und flut

sie halten einander fest
und mühsam trägt noch die erde
an ihrem ewigen trabanten
zu groß für den kleinen planeten
in der ordnung der kosmogonie
aber doch in gebührendem abstand
das leben erblüht in der schwere
und dennoch kreist ihr beiden
ihr tanzenden sterne
um den gemeinsamen
massenmittelpunkt

du zeigst uns dein gesicht
es ist ruhig
und weiß vom spiel von geburt und tod
bis zu den knabenmorgenblütenträumen
doch wir wollten mehr
wir schauten dir hinter die karten und
sammelten tranken und aßen
von deinem staubgewand
wie ein forscher der
ein hirn zum leuchten bringt und
doch nichts wahrnimmt
vom lachen betrügen und hoffen

dann singe Mondin uns dein licht
es wird größer je weiter du fliegst
und immer noch erschauert
die schöpfung wenn sie
zu hören versteht

aus Deinen Tönen entstehe der Tau