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Es ist eine indianerhafte, dem Indianer-Bluthe eigenthümliche Wildheit in der Art, wie die Amerikaner nach Gold trachten: und ihre athemlose Hast der Arbeit - das eigentliche Laster der neuen Welt - beginnt bereits durch Ansteckung das alte Europa wild zu machen und eine ganz wunderliche Geistlosigkeit darüber zu breiten. Man schämt sich jetzt schon der Ruhe; das lange Nachsinnen macht beinahe Gewissensbisse. Man denkt mit der Uhr in der Hand, wie man zu Mittag isst, das Auge auf das Börsenblatt gerichtet, - man lebt, wie Einer, der fortwährend Etwas "versäumen könnte". (Friedrich Nietzsche)



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Die Frage

(Detlef Fetchenhauer)

Rubrik: Von Freunden

Wer bin ich, der ich diese Zeilen schreibe?
Das ist die Frage, die mich treibt
und die sich immer wieder stellt,
so lange ich am Leben bleibe.

Was ist es, dieses Ich,
das sich mit Mühen durch sein Dasein quält,
ein paar Jahrzehnte nur,
und dann in einen viel zu frühen Tod?

Wer bin ich, der mir immer fremd bleibt,
so nah und doch so endlos fern?
Den diese Frage furchtbar ängstigt
und der sich deshalb immer wieder ablenkt
und dankbar ist für jedes kleinen Tages kleine Not?

Warum nur kommen wir nie bei uns selber an?
Haben wir Angst, der Abgrund wär' zu tief?
Manchmal hab ich Angst,
die Antwort ist ganz anders,
weil schon die Frage falsch ist und naiv.

Kein Abgrund ist's, der uns lässt schwindeln,
sondern die Ahnung,
dass am Ende alles in ein großes Nichts versiegt.
Und wir nichts weiter sind als eine Zwiebel,
die man zwar schälen kann,
um irgendwann den Kern zu sehen,
und doch am Ende muss erkennen,
dass es den Kern der Zwiebel gar nicht gibt.
aus: Der weite Weg – Gedichte zwischen Streicheln und Kratzen (Detlef Fetchenhauer, 2016)

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors, alle Rechte verbleiben bei diesem.