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Er hält aus Trotz an einer Sache fest, die ihm durchsichtig geworden ist, - er nennt es aber "Treue". (Friedrich Nietzsche)



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Letzte Änderung: 13.04.2017 um 03:27
Copyright © (2017):
Name:Norbert Schultheis
Anschrift:Auf dem Huckstein 14
53117 Bonn
Deutschland
E-Mail:
Facebook: http://facebook.com/nkschultheis
Hobbys: Lesen, Programmieren, Klavier klimpern (mehr schlecht als recht), Spazierengehen, Denken
Interessen: Philosophie, Psychologie, Soziologie, Astronomie, Musik, Film & Fernsehen
Konfession: Säkularer Humanismus
(die Texte von Erich Fromm vermitteln ein sehr gutes Verständnis dafür, was genau damit gemeint ist – bei ihm wird aber dann meist von einem „radikalen Humanismus“ oder „humanistischen Radikalismus“ gesprochen)
Politische Orientierung: Liberalsozialismus plus Bedingungsloses Grundeinkommen
(der nicht ganz glücklich bezeichnete „Kreative Sozialismus“ von Sahra Wagenknecht als Form des Liberalsozialismus sagt mir sehr zu, sofern in ihm ein Bedingungsloses Grundeinkommen installiert wird)
Familienstand: verheiratet
(glücklich verheiratet – das muss man ja heute stets anmerken, weil längst nicht mehr Usus)
Bilder: Fotocollage, Hochzeit, Automobil, Weihnachtsmarkt, Zwillinge, künstliche Kunst, Urahn, Bonn am Rhein, Don Norberto
Palaver:

(ja, ich kann auch Fließtext...)

Seitdem ich meiner Berufstätigkeit im IT-Dienstleistungssektor weitestgehend den Rücken gekehrt habe, beitreibe ich ein umfassendes und nicht terminiertes Eigenstudium der Philosophie mitsamt all jenen Bereichen aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen, die ein Verständnis vom Wesen des Menschen, seines Geistes und der Welt erweitern oder vertiefen können. Hier sind vor allem die Grundlagenfächer der Psychologie und der Sozialwissenschaften zu nennen, oder Erkenntnisse der Quantenphysik, der Evolutionsbiologie oder der Neuro- und Kognitionswissenschaften, sowie die verschiedenen Konzepte und Auffassungen vom Menschen der unterschiedlichen Psychotherapieformen, aber auch Weisheitslehren diverser Autoren oder der Religionen, sofern sie sich undogmatisch gerieren.

Ausschlaggebend war vor allem ein Schlüsselerlebnis im Jahr 2005, als ich das Werk „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche gelesen hatte, das mir eine neue Weltsicht offenbarte. Seitdem habe ich schon eine Unmenge von weiteren Perspektiven kennengelernt, aber nach wie vor fühle ich mich von seinen Werken – nicht zuletzt wegen seiner bildgewaltigen Sprache samt seinem sarkastischen Pathos – besonders angesprochen; wenn auch auf eine eher psychologisch-entlarvende und postmoderne „linksnietzscheanische“ Weise, die seinen martialischen Heroismus und seinen geforderten Verzicht auf Mitleid nicht überbetont (was aber im Kontext seines Gesamtwerkes einen tieferen Sinn macht). In ethischer Hinsicht sind mir Denkgrößen wie Albert Einstein, Raymond Smullyan, Carl Gustav Jung, Matthieu Ricard, Arno Gruen und vor allem Erich Fromm deutlich näher und zählen mittlerweile mindestens genauso zu meinen Lieblingsautoren und geistigen Vorbildern, deren Wesen und Weltbilder mir auch äußerst sympathisch sind.

Mein größtes Interesse auf theoretischem Boden gilt zum einen den Theoriegebäuden Systemtheorie, (Neo-)Pragmatismus, Kritische Theorie und Phänomenologie und zum anderen den Disziplinen Ethik, Gesellschaftstheorie, Erkenntnistheorie und nicht zuletzt der Philosophie des Geistes sowie der fachspezifischen Philosophie der Physik. Aber eigentlich faszinieren mich alle Bereiche. Da gibt's aber noch eine Menge zu lesen und zu erkennen! – Ich bin indes weit davon entfernt, in irgendeiner Hinsicht diesbezüglich Experte zu sein, denn mein Interesse gilt nicht primär der Erlangung eines akademischen Niveaus. Dieses bedarf vielleicht auch eines akademischen Umfelds, das mir nicht gegeben ist, und Äsops Trauben hängen mir hierbei womöglich zu weit oben, wenn auch nicht alle. Eigentlich auch egal, solange ich nur Fuchs bleiben kann – ganz im Sinne Äsops Dichterkollegen Archilochos, als dieser sinnierte:
„Der Fuchs weiß viele verschiedene Sachen, der Igel aber nur eine große.“
So dümple ich von Werk zu Werk, abends oft in Anwesenheit zweidimensional projizierter 3sat-Moderatoren, und gefalle mir eigentlich ganz gut in der Rolle des „eigenbrötlerischen Universaldilettanten“, denn mir geht nichts über das eigene Philosophieren, jene Momente auf der Couch mit geschlossenen Augen, in denen ich versuche, eigene Gedanken zu entwickeln und zu eigenen Erkenntnissen zu gelangen. Das ist wie das Balancieren mit Suppentellern: Dabei geht schon hin und wieder etwas zu Bruch oder schwappt über, aber der philosophische Eros, also der Drang nach Erkenntnis und schöpferischer geistiger Tätigkeit, spornt mich immer wieder von Neuem an – nicht unwichtig für einen Menschen wie mich, der ungefähr die Ausdauer eines Gepards bei vollem Sprint hat...

Darin und in der begrenzten Lebenszeit liegt auch der Versuch begründet, mir ein möglichst breites philosophisches Verständnis anzueignen, anstatt ein möglichst tiefes in einem speziellen Bereich, was dann üblicherweise mit der Auszeichnung Spezialist tituliert wird. Respekt zolle ich dem, der sich gleichermaßen in beiden Dimensionen ausdehnen kann. Für mich aber meine ich genau dort einen gangbaren Weg zur Weisheit gefunden zu haben, wo ich Philosophie abseits der zweckorientierten Verwertbarkeitslogik auch in pekuniärer Hinsicht als autotelische Praxis im Sinne einer Lebenskunst betreibe.
„Wer ein interessantes Leben führt, verliert das Interesse an materiellen Werten.“ (Karl Marx)
Philosophieren als Tätigkeit bedeutet für mich auch im regen Austausch mit anderen Philosophen zu stehen, vor allem (und bei mir fast ausschließlich) mit den toten oder auf andere Weise unerreichbaren. Um die Geschichte der Philosophie fortführen zu können, um überhaupt aktuelle Probleme und spezifische Themen der Philosophie adäquat verstehen zu können, muss man zuallererst einmal eine umfassende Kenntnis von ihr besitzen. Es ist zudem kein Zeichen von Intelligenz, aufgrund mangelnden Wissens in Denkfallen zu tappen und sich dort zu verbeißen, die schon längst beseitigt wurden. Eigenschöpferische Kreativität entsteht nicht aus dem Nichts, wie man vielleicht glauben möchte, sondern ist das Resultat neuer Verknüpfungen von vorhandenem (impliziten und expliziten) Wissen, auch wenn dieses Neuverknüpfen selbst meistens nicht bewusst vonstattengeht. Und wenn ich hier von Wissen spreche, meine ich damit kein rein assimiliertes Wissens, das man einfach als Tatsache auf- und hinnimmt, und auch kein reines Faktenwissen, wie es in Quizshows abgefragt wird. Ich meine damit einen Wissenserwerb, der den ganzen Menschen formt und verändert, in dem sich Bildung als Weiterentwicklung und fortschreitende Selbsterkenntnis des Ichs vollzieht. Diesen Gedanken wusste Ernest Hemingway so vortrefflich auf den Punkt zu bringen:
„Es hat nichts Edles, sich seinen Mitmenschen überlegen zu fühlen. Wahrhaft edel ist, wer sich seinem früheren Ich überlegen fühlt.“
Möchte man zudem eine gewisse „Dichtheit“ des Wissens erreichen und nicht ständig darauf angewiesen sein, Lücken durch bloße Meinungen ausfüllen zu müssen, die womöglich noch falsch sind, so ist die aufklärerische Seite der Philosophie durch die akademische zu ergänzen oder genauer: in Wechselbeziehung zu setzen. Damit möchte ich auf keinen Fall die eigene Meinung herabwürdigen, nur sollte sie so gut wie möglich fundiert sein. Deshalb halte ich die Aneignung eines Grundlagenwissens, wie es bspw. in einem Hochschulstudium vermittelt wird, für eine sinnvolle, ja fast notwendige Ergänzung, sofern man dem Unterrichtsstoff ein gewisses Interesse abgewinnen kann. Hier lohnt sich aber stets, auf reflektorische Distanz zu gehen, und nicht gleich den dargebotenen Stoff als eigene Meinungen zu übernehmen, nur weil er auf den ersten Blick schlüssig und plausibel erscheint. Gute Philosophieprofessoren weisen aber darauf hin und stellen ihre Unterrichtsthemen möglichst frei von eigenen Meinungen und Überzeugungen dar, oder benennen diese explizit als solche mit der nötigen Bereitschaft, Argumente und Gegenargumente gleichermaßen aufzuzeigen und ihnen Raum zur Entfaltung zu lassen. Die Kernbotschaft eines jeden gut gehaltenen Philosophieunterrichts, die bspw. der Wissenschaftsphilosoph und Philosophieprofessor Paul Hoyningen-Huene nicht müde wird zu wiederholen, lautet dann auch:
„Alles in der Philosophie ist kontrovers!“
Somit hoffe ich deutlich gemacht zu haben, warum ich die akademische und wissenschaftliche Seite der Philosophie nicht geringschätze, sondern sie im Gegenteil als vernünftige Ergänzung und sogar oft als notwendige Basis des aufklärerischen Aspekts (auch in der Form als Lebenskunst) betrachte und eine umfassende Kenntnis von ihr mit demselben Impetus anstrebe. Und wenn dabei der Stolz auf die eigene Erkenntnis der Ehrerbietung anderer aufgrund ihres tieferen Verständnisses oder ihrer präziseren Ausarbeitungen Platz machen muss, so kann ich mich stets an der befriedigenden Erkenntnis erfreuen, wieder etwas gelernt oder zumindest besser verstanden zu haben. Ein beglückendes Gefühl, das ich jeder Form von Eigenstolz und Eitelkeit vorziehe.

Nun sollte auch klar sein, warum ich Lesen weder als Zeitverstreib noch als ein Sammeln von Fakten betrachte, auch nicht als eine bloße Anhäufung von verwertbarem Kapital (auf diesen Zusammenhang hat mich übrigens der Soziologe Pierre Bourdieu aufmerksam gemacht, da war er aber schon tot). Lesen und Gelesenes zu verstehen, Verstehen und Verstandenes in die Gesamtpersönlichkeit zu integrieren und sie damit weiterzuentwicklen, erachte ich als reine Praxis und Vollzug einer gelungenen Lebensführung.

Genau dies hatte auch Immanuel Kant im Sinn, als er Aufklärung als den „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ bestimmte. Weder die bloße Akkumulation von Wissen, wie sie vor allem heute an Schulen und Universitäten praktiziert wird, noch ein „Wissen, wo etwas steht“ und vor allem kein rein externes Wissen in Büchern oder im Internet, das man nur bei Bedarf zu recherchieren bräuchte, können den Menschen zu neuen Einsichten und zu Veränderungen seines Verhältnisses zu sich selbst und seiner Um- und Mitwelt befähigen. Erst wenn er Wissen auf sich selbst und auf seine praktischen Interessen zu beziehen vermag, kann er sich seiner naiven und oft genug auch egozentrischen Denkstrukturen entledigen, einen Weg zur personalen Mündigkeit und verantwortungsvollen Mitmenschlichkeit finden und damit seinen Geist insgesamt, vor allem auch in ethischer Hinsicht veredeln. Dann begreift er seine individuelle Einzigartigkeit genauso wie seine Eingebundenheit in Natur und Kultur mitsamt seinen Mitmenschen als Teil einer sich fortentwickelnden globalen Menschheit. Diese Erkenntnis der Synthese von Individuum und Gemeinschaft hatte die Philosophin Ruth Nanda Anshen einst so formuliert:
„Die Persönlichkeit selbst ist eine emotionale und keine intellektuelle Erfahrung, und die größte Leistung des Wissens besteht darin, das Persönliche in eine größere Einheit einzugliedern.“
Warum ich das alles hier von mir preisgebe: Weil ich mich als Zoon politikon verstehe und für meine Art der Lebensführung werben möchte, wobei es mir aber nicht um genau diesen Weg geht. Sondern ich möchte generell für die unterschiedlichsten Lebensweisen plädieren, die sich der zunehmenden Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche und sonstiger Ideologisierungen in den Weg stellen. Aber nur, solange sie mit dem Prinzip der Menschenwürde und den universellen Menschenrechten im besten Einklang stehen, die ich in Anlehnung an den Philosophen Julian Nida-Rümelin nicht als bloße Erfindung oder Konvention verstehe, sondern als eine Entdeckung bzw. Erkenntnis, die ein globales Miteinander aller Menschen im Sinne einer universalen Kommunikations- und Kooperationsgemeinschaft erst ermöglichen kann.
Also sprach Nietzsche: „Dieser Homepagebetreiber ist ehrgeizig und Nichts weiter: zuletzt ist seine Homepage nur ein Vergrösserungsglas, welches er Jedermann anbietet, der nach ihm hinblickt. Zumindest zahlt er dabei mit einer Münze, die sein Bild trägt! – Sei es drum! Was wir thun, wird sowieso nie verstanden, sondern immer nur gelobt und getadelt, das zeigt sich nirgendwo klarer als beim Blick durch das Vergrösserungsglas für die viel-zu-vielen Heerdenthiere: Facebook.“