Logo

Bücher für die Bildung


Autor Titel Rubrik

Benutzerportal


* Cookies müssen akzeptiert werden können

Moralität ist mehr als das innerpsychische Gefühl der Verantwortung für unsere Mitmenschen und Umwelt im allgemeinen, denn dieses stirbt gleichsam mit dem Tod eines Menschen. Moralität verweist vielmehr auf eine sozial geteilte Vorstellung des Guten und zugleich auf dessen bestimmbare Prinzipien, eben auf die Moral; diese bezeichnet dann eine im Dienst der Menschheit stehende Objektivität, eine solche, die erst durch soziale Bindungen und Interaktionen von Menschen in die Welt kommt, für die der Mensch auch einen Sinn, sein Gewissen, entwickelt. Moralität ist damit einhergehend eine über den Tod des einzelnen Menschen hinausreichende Dimension der Verantwortung als solche. Mag das Verantwortungsgefühl mit dem Tod des Subjekts auch sterben, die Verantwortung selbst als funktionale Konstituente der höheren Komplexitätsebene des sozialen Systems bleibt lebendig und erhalten. Es scheint so, dass wahrhaft religiöse Menschen dies besser verinnerlicht haben als atheistische Materialisten, wenn auch diese dazu durchaus in der Lage sind, als sie zu spüren wissen: "Ich bin primär ein soziales, ein sozial gebundenes Wesen - und dann und dadurch erst ein psychisch-bewusstes." (Norbert Schultheis)



Kalender
© schulferien.org

Validate XHTML 1.0 Transitional Validate CSS

Best viewed with Firefox Get Firefox

powered by PHP powered by MySQL

Der Erlkönig

(Johann Wolfgang von Goethe)

Rubrik: Gedichte

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlkönig mit Kron und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

„Du liebes Kind, komm geh mit mir!
gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
manch bunte Blumen sind an dem Strand,
meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
in dürren Blättern säuselt der Wind. -

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
es scheinen die alten Weiden so grau. -

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater grausets, er reitet geschwind,
er hält in den Armen das ächzende Kind,
erreicht den Hof mit Müh und Not;
in seinen Armen das Kind war tot.